Das Umfeld der Kirche St.Maria ist geprägt durch die Gartenstadt – Strukturen. Gestaltprägend sind hier die Zeilen, die in ihren Kubaturen und Dimensionen die dazwischen liegenden Freiflächen definieren.
Unser Entwurf greift die Bautypologien auf, interpretiert sie neu und definiert eine eigene Haltung als besonderes Gebäude mit ablesbaren Elementen. Der kompakte und gegliederte Baukörper steht parallel zur Pacellistraße und nimmt Bezug zur Öffentlichkeit.
Basierend auf ein Vielfaches der Zahl 3 zeichnet der Entwurf ein eingeschossiges 36m x 36m großes Quadrat. Das Gebäude selbst bildet sich innnerhalb des Quadrates durch zwei zueinander versetzten Baukörper ab und definiert 3 Freibereiche: Zur Pacellistraße nach Süden den Platz, im Inneren des Gebäudes den Rosengarten und im nördlichen Bereich zur Kita hin einen Freibereich für die Jugend. Die Freibereiche sind über die auskragende und ausgestanzte „Dachscheibe“ in Rahmen visuell gefasst und eingebunden.
„Mit der Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanums „Gaudium et spes“ betont die katholische Kirche die theologische Qualifizierung der Gemeinde als Koinonia, als Gemeinschaft.“ Kirche und Gemeinderäume werden im Grundriss miteinander verwoben. Die quadratisch überhöhte Kubatur der Kirche tritt sichtbar nach vorne zur Öffentlichkeit und steht geostet diagonal zum Glockenturm. Der Saal bildet sich ebenfalls in der Höhe ab.
Über einen gemeinsamen Windfang mit Blick in den Rosengarten wird das Gebäude betreten. Der Windfang fungiert als „Schwelle“, um die Kirchentür zu öffnen und den Alltag hinter sich zu lassen. Die gegenüberliegenden Eingänge von Kirchenraum und Gemeinderäumen lassen die Nutzungen in Dialog treten. Der davorliegende Platz ist schwellenlos stufen- und barrierefrei, sowie das gesamte Gebäude.
Der Eintritt in die Glaubensgemeinschaft wird mit der Taufe bezeugt. Hell am Rosengarten situiert und gegenüber liegend zum Foyer, erinnert der Standort den Besucher beim Betreten der Kirche an die eigene Taufe und die Verbundenheit mit der Gemeinde.
Die Salzburger Madonna erhält ebenfalls im Eingangsbereich am Rosengarten einen Ort der Verehrung.
Den Blick nach vorne gerichtet, öffnet sich der Raum am Standort des Tabernakels transparent in den Kirchgarten. Dort nimmt der Besucher den Bezug nach außen auf. Ansonsten lässt der Kirchenraum das geschäftige Treiben der Menschen draußen. Es herrscht Ruhe, Besinnung und Kontemplation. Einzig durch das über Lamellen gefilterte Licht im oberen Bereich wird die Raumwirkung von Westen nach Osten zum Altar gelenkt. Der Altar bildet die Sinnmitte mit genügend Raum um sich. Die Gemeinde kann sich versammeln, miteinander Eucharistie und unterschiedliche Formen von gemeinsamen Festen feiern. Der quadratische Grundriss ermöglicht eine hohe Flexibilität der Bestuhlung. Durch das einfallende Tageslicht über die bodentiefen Glaselemente wiederum wird der Raum diagonal vom Rosengarten bis zum Standort des Tabernakels verspannt.
Die Sakristei und die Abstellräume liegen direkt an den Kirchraum eingeschossig an. Die Bestandsorgel kann an die erhöhte Wand im Westen eingebaut werden. Der Chor findet vorne in der Nähe des Abstellraumes, der mobile Podeste birgt, seine Aufstellung.
Der Nebenausgang im nördlichen, hinteren Bereich gestattet die direkte Erschließung der Sanitärräume.
Das Foyer dient als Verteiler und Verbindungselement zwischen Kirche und Gemeinderäumen. Es öffnet sich großzügig nach Süden zur Öffentlichkeit und ist über das auskragende Dach vor direkter Sonne geschützt. Über den gemeinsamen Windfang erschlossen mit anliegender Küche bietet das Foyer der Gemeinde genügend Platz für das Kirchencafé und Zusammenkommen. Bei größeren Gemeindefesten, z.B. dem Patrozinium, dient die Küche auch den davorliegenden Platz an.
Der Saal grenzt an das Foyer und eröffnet über transparente Türelemente den Blick bis in den nördlichen Freibereich. Es entsteht eine Durchlässigkeit, die eine offene Haltung der Gemeinde versinnbildlicht.
Der Gemeinderaum grenzt an den Saal an. Die Gemeinderatssitzungen könnten bei gutem Wetter auch im Freien im gegenüberliegenden Rosengarten störungsfrei stattfinden.
Im Westen schirmen die dienenden Räume das Gebäude zur Wohnbebauung ab. Östlich und zusätzlich extern erschlossen, liegt der Jugendraum mit eigenem Freibereich fern der Wohnbebauung.
Der Baukörper der Kirche mit der transluzenten Wirkung der Glaselemente leuchtet und strahlt weit in seine Umgebung als besonderer, sakraler Ort.
Freiflächen und Anbindung
Das Gebäude steht auf einem „Unterleger“, der sich über die Wegeanbindungen im vorhandenen Wegenetz verspannt. Dabei bleiben die bestehenden Bäume erhalten. Zu den Anbindungen im Westen und Osten wird ein Weg von Süden nach Nord bis zum Pfarrhaus neu angelegt. Der Eingangsbereich mit Vorplatz wird über die bestehende Wegeverbindung von Süden angebunden. Ein Inlay als wasser-gebundene Fläche mit Brunnen und Sitzmöglichkeiten hebt den Platz hervor. Über das nivellierte Gelände wird das Gebäude in Zukunft barrierefrei von Süden erschlossen. Der Kirchgarten fungiert als Filter zum gegenüberliegenden Einkaufszentrum und ist als Baumhain mit Rundbänken sehr zurückhaltend nutzungsoffen angelegt und mit Neupflanzungen ergänzt.
Die Parkplätze werden im Süden des Grundstückes parallel zur Pacellistraße zwischen Bäumen verortet. Die Fahrradstellplätze befinden unter den auskragenden Dachrahmen überdacht direkt am Haupt- und Nebeneingang.
2023 Wettbewerb in Anlehnung GRW 3.Preis
Projektteam
Kalliopi Gkeka, Stefan Kamm, Anne Silberzahn
Beratung
g2 Landschaftsarchitekten Stuttgart
Helber + Ruff Tragwerksplanung Ludwigsburg
Auftraggeber
Kath. Kirchengemeinde St. Maria in Friedrichshafen Jettenhausen